Wie Umwelt und Klima uns Kopfschmerzen bereiten können

Es ist schon länger bekannt, welchen enormen Belastungen unser Körper bei großer Hitze ausgesetzt ist. In einem früheren Artikel haben wir deshalb beleuchtet, auf welche Weise Hitzezustände das Kopfschmerzgeschehen verschlimmern können. Etliche Umweltfaktoren, darunter Luftverschmutzung, UV-Strahlung, Feinstaub und Luftfeuchtigkeit, bilden manchmal eine Gemengelage, die für Kopfschmerzpatient:innen gefährlich werden kann. Hinzu kommt, dass diese Faktoren durch die fortschreitende Klimakrise erheblich verstärkt werden. Spätestens durch die europäischen Hitzewellen im vergangenen Sommer wurde klar, wie dramatisch unsere Lebensumstände sich noch verändern könnten. Das hat spürbare Folgen für alle, die unter Kopfschmerzen leiden. Einige Umstände, die hier von Bedeutung sind, möchten wir in diesem Beitrag darstellen und wagen einen Ausblick darauf, wie sich die Situation durch den Klimawandel fortentwickeln könnte.

Umweltschadstoffe zeigen Wirkung

Ein für Kopfschmerzbetroffene wesentlicher Faktor ist zum Beispiel die Luftqualität, vor allem in den Sommermonaten. Genau damit beschäftigte sich eine israelische Forscher:innengruppe: Über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg wurden Daten von mehr als 7.000 Migränepatient:innen ausgewertet. Auf Grundlage von Messwerten aus der Umwelt wurde ermittelt, wie stark die Betroffenen Luftschadstoffen wie Stickoxid (NO2, Stickstoffdioxid) und sogenannten Feinstaub-Partikeln ausgesetzt waren. Das Ziel dieser Untersuchung bestand darin, Zusammenhänge aufzuspüren zwischen der Belastung durch Umweltsubstanzen und dem Risiko, sich wegen einer Migräne-Attacke in medizinische Behandlung begeben zu müssen.

In der Forschungsarbeit konnte nachgewiesen werden, dass die Gefahr behandlungsbedürftiger Migränebeschwerden bei erhöhten NO2-Werten um etwa 40% anstieg. Zudem zeigte sich, dass unter sommerlicher Hitze und niedriger Luftfeuchte die Verstärkung der Migräne-Aktivität durch Stickoxide noch weiter anwuchs. Dieser Befund sorgte für wenig Überraschung, da eine hohe Sonneneinstrahlung die Bildung weiterer Luftschadstoffe aus Stickoxiden begünstigt. Der Anstieg der Stickoxidbelastung ist außerdem in der Lage, die Wirkung des Trigeminusnervs auf die Blutgefäße zu beeinflussen. Und genau dieser Vorgang ist es, von dem man schon lange vermutet, dass er die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe stimuliert, die zur Entstehung einer Migräne-Attacke beitragen. Über die Rolle des Trigeminusnervs können Sie übrigens in diesem Artikel mehr erfahren.

Bei alledem kommen noch der hohe Wasserverlust des menschlichen Körpers durch die Hitze und eine besonders starke UV-Strahlung der Sonne hinzu. So entsteht im Sommer eine gefährliche Mischung aus Umweltfaktoren, die gerade für Patient:innen mit Kopfschmerzerkrankungen (darunter ebenso Migräne wie auch Spannungskopfschmerz) ein erhebliches Risiko darstellen. Die Autor:innen fassen ihre Resultate etwa so zusammen: Menschen mit einer Veranlagung für Migräne könnten auf zweierlei Weise betroffen sein: die langanhaltende Hitze erhöht generell die Gefahr für Attacken, während gleichzeitige Anstiege der Schadstoffe unmittelbar als Auslöser (Trigger) wirken.

Forschungsbedarf auch in Europa

Tatsächlich liegen die genauen Werte der Luftschadstoffe, die bei der oben genannten Untersuchung festgestellt wurden, in einer ähnlichen Größenordnung wie die Werte, die regelmäßig in der EU gemessen werden. Dementsprechend wären diese Ergebnisse aller Wahrscheinlichkeit nach auch hier von Bedeutung. Zumindest in den Sommermonaten dürften diese Substanzen auch bei uns das Migräne-Risiko befeuern. Die Relevanz dieser Daten scheint überdies immer mehr anzusteigen, da die fortschreitenden klimatischen Veränderungen auf dem europäischen Kontinent die sommerlichen Temperaturen in immer größere Höhen treiben. Vor allem die Rekordwerte, die im Sommer 2026 während der Hitzewellen erreicht wurden, sollten Grund genug für die Kopfschmerzforschung sein, für Europa vergleichbare Untersuchungen anzustellen. In jedem Fall müsste geprüft werden, ob die Ergebnisse der israelischen Forschenden auf weitere europäische Bevölkerungskreise übertragbar sind.

Auch Spannungskopfschmerz ist deutlich betroffen

Historisch gesehen ist die Forschung zu Umweltbedingungen und Kopfschmerz hauptsächlich auf Migräneerkrankungen fokussiert. Dies könnte am hohen Leidensdruck liegen, den Betroffene wegen der gefürchteten Attacken erleben. Dieser trieb Forschende immer wieder an, Lösungen und Linderungsmittel zu finden. Trotzdem schaffte es auch der Kopfschmerz vom Spannungstyp immer wieder in den Brennpunkt der Untersuchungen, weil immer klarer wurde, wie stark auch hier Schadstoffe aus Umwelt und menschlicher Aktivität als Auslöser wirksam sind. Hohe Belastungen durch Stickoxide, Feinstaub und UV-Strahlung erhöhen nämlich nicht nur die Gefahr von Migräne-Attacken, sondern bereiten auch den Boden für Spannungskopfschmerz. In diesem Zusammenhang spricht man auch von „Hitzestress“, dem die Betroffenen oftmals über längere Zeit und häufig nahezu schutzlos ausgesetzt sind.

Die beschriebenen Belastungen gehen mit verstärkten sommerlichen Hitzeperioden einher. Hinzu kommen also auch hier inzwischen die Auswirkungen der Klimakrise. Hierdurch haben sich in den vergangenen Jahren sowohl die Maximaltemperaturen als auch ihre Dauer beinahe kontinuierlich erhöht. Dass diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die Häufigkeit von Spannungskopfschmerz hat, scheint unausweichlich.

Extremhitze – Waldbrände – und noch mehr Kopfschmerzen

In diesem Sommer (2026) rückte der Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und Kopfschmerzerkrankungen auf tragische Weise stärker ins Blickfeld. Wie das „Ärzteblatt“ berichtete, führten weit verbreitete Waldbrände in den kanadischen Provinzen Alberta und Ontario zu einem signifikanten Anstieg der Notaufnahmebesuche aufgrund von Migräne und Spannungskopfschmerz. Eine Forschungsgruppe in Ottawa stellte fest, dass 86% dieser Notfälle auf Migräne zurückzuführen waren, die restlichen 14% wurden durch Spannungskopfschmerz verursacht. Außerdem konnten die Wissenschaftler:innen nachweisen, dass es ausschließlich die Partikel aus Waldbränden waren, die für den Anstieg der Beschwerden sorgten. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass Feinstäube aus Waldbränden die Gesundheit tatsächlich stärker schädigen als die Feinstäube, die sonst typischerweise in Großstädten anzutreffen sind. Daher haben Umweltkatastrophen dieser Art eine besondere Bedeutung, und zwar nicht nur für die akute Sicherheit der lokalen Bevölkerung, sondern auch für Kopfschmerzbetroffene, die an den Nachwirkungen dieses Ausnahmezustands leiden.

Wie kann man diesen Gefahren entgegenwirken?

Glücklicherweise wird schon auf höchster Ebene auf die besorgniserregende Entwicklung reagiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Leitlinien zur Luftqualität aktualisiert und empfiehlt für Feinstaub (Partikel mit einer Größe bis zu 2,5 Mikrometer) einen Jahresmittelwert von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft als Richtwert für die Langzeitbelastung. Die EU wird diese Richtlinien übernehmen, sodass sie bis Ende 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Darüber hinaus verschärft die europäische Gesetzgebung ab dem Jahr 2030 die Grenzwerte für Stickoxide. Diese konkreten gesetzlichen Maßnahmen sind schon ein wichtiger Schritt nach vorne und könnten für etwas Erleichterung sorgen.

Auch auf persönlicher Ebene lassen sich Maßnahmen ergreifen. Wer die eigenen Risiken während der sommerlichen Belastungszeiten vermindern möchte, sollte unter solchen Extrembedingungen Aktivitäten draußen eher vermeiden. Außerdem tut man gut daran, Orte mit starkem Straßenverkehr möglichst zu meiden. Hier kommen nämlich unzählige zusätzliche Verschmutzungen durch Kraftfahrzeuge hinzu. In jedem Fall sollten die Atemwege, die Sinnesorgane und das Nervensystem keiner unnötigen Belastung ausgesetzt werden. Jeder Partikel Feinstaub und jedes Teilchen Stickoxid, die nicht eingeatmet werden, leisten bereits einen kleinen Beitrag bei der persönlichen Kopfschmerz-Vorbeugung. Zur allgemeinen Kopfschmerzvermeidung empfehlen wir zudem unsere Kopfschmerzwissen-App. Diese bietet ganzjährige, wissenschaftlich fundierte Unterstützung, sodass Sie nicht nur im Sommer, sondern zu jeder Jahreszeit Ihre Kopfschmerz-Vorbeugung im Blick behalten.

  • Quellenangaben
    • Akgun, N.; Aciman Demirel, E.; Acikgoz, M.; Celebi, U.; Kokturk, F.; Atasoy, H.T. The Effect of Weather Variables on the Severity, Duration, and Frequency of Headache Attacks in the Cases of Episodic Migraine and Episodic Tension-Type Headache. Turk. J. Med. Sci. 2021, 51, 1406–1412.
    • Dales R, Paul N, Cleland SE, Lavigne E, Rouleau M, Evans J, Ferro A, Kunarac K, Owen J, Cakmak S. Wildfire-Sourced PM2.5 and Emergency Department Visits for Migraine and Other Primary Headache. JAMA Netw Open. 2026 Jul 1;9(7):e2625015. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2026.25015. PMID: 42496976; PMCID: PMC13401198.
    • Elser H, Kruse CFG, Schwartz BS, Casey JA. The Environment and Headache: a Narrative Review. Curr Environ Health Rep. 2024 Jun;11(2):184-203. doi: 10.1007/s40572-024-00449-4. Epub 2024 Apr 20. PMID: 38642284.
    • Kushner P, Kalita P, Revel FB, Oliver C, Nangineedi M, Cardosa M. Climate Change and Air Pollution-Related Health Effects on Pain. Int J Environ Res Public Health. 2025 Nov 14;22(11):1721. doi: 10.3390/ijerph22111721. PMID: 41302667; PMCID: PMC12652110.
    • Li S, Liu Q, Ma M, Fang J, He L. Association between weather conditions and migraine: a systematic review and meta-analysis. J Neurol. 2025 Apr 17;272(5):346. doi: 10.1007/s00415-025-13078-0. PMID: 40246758.
    • Peles I, Novack L, Gordon M, Sarov B, Novack V, Ifergane G. Acute Environmental Triggers and Intermediate-Term Modulators of Emergency Migraine-Related Health Care Encounters. Neurology. 2026 May 12;106(9):e214936. doi: 10.1212/WNL.0000000000214936. Epub 2026 Apr 15. PMID: 41985109; PMCID: PMC13089202.
    • https://www.aerzteblatt.de/news/migrane-wie-wetter-und-luftschadstoffe-anfalle-triggern-7f0b0476-bc24-41e9-a8ee-c2dd2da84b79 abgerufen am 26.9.2026
    • https://sigmaearth.com/de/study-finds-air-pollution-may-increase-migraine-attacks/ abgerufen am 20.9.2026
    • https://www.aerzteblatt.de/news/durch-waldbrande-verursachte-feinstaubpartikel-konnen-schwere-kopfschmerzepisoden-auslosen-7dc6a7c5-4859-485f-9ebd-b3739bd928f6?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_FG-Neurologie&utm_content=Mailing_20260901 abgerufen am 12.9.2026
    • https://www.sciencemediacenter.de/angebote/aktualisierte-who-leitlinie-zur-luftqualitaet-21124 abgerufen am 9.9.2026
    • https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/besondere-belastungssituationen/luft-gesundheitsbelastung-durch-waldbraende#was-ist-ber-langzeitfolgen-evtl-auch-durch-wiederholte-waldbrnde-in-bestimmten-regionen-bekannt abgerufen am 9.9.2026