Wissenschaftlich bestätigt: Weltweites Leid durch Kopfschmerzen

Wie viel Leid entsteht eigentlich auf der Welt durch Kopfschmerzerkrankungen? Kann man das überhaupt messen? Wenn wir verstehen wollen, welche Bedeutung eine Erkrankung für den Menschen hat, hilft es zunächst, wenn man weiß, wie viele Menschen an ihr leiden. Dann kann man im zweiten Schritt versuchen einzuordnen, wie groß das persönlich empfundene Leid genau ist. Dass dies nicht einfach herauszufinden ist, liegt auf der Hand. Denn eine weltweite Erfassung sämtlicher Menschen, die von einer Krankheit betroffen sind, scheint so gut wie unmöglich. Umso schwerer zu ermessen, wie viel Leid sich im Einzelnen und insgesamt dahinter verbirgt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) liefert seit einigen Jahrzehnten regelmäßig einen umfassenden Bericht über die wichtigsten Erkrankungen der Menschheit. Diese sogenannte „Global Burden of Disease Study“ bemüht sich, unter den gegebenen Schwierigkeiten die weltweite Verbreitung verschiedener Krankheiten so gut wie möglich zu erfassen. Auch möchte man beschreiben, wie stark diese sich auf Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen auswirken. Neben Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs, die oft als ‚Volkskrankheiten‘ bezeichnet werden, spielen Kopfschmerzerkrankungen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle.

Beeindruckende Zahlen

Die große Menge an Daten, Zahlen und Fakten zur globalen Kopfschmerzbelastung so zusammenzutragen und zu interpretieren, dass ein verlässlicher Überblick entsteht, ist eine große Herausforderung. Dutzende von Wissenschaftler:innen aus allen Kontinenten arbeiten über Jahre hinweg intensiv daran.

Die ermittelten Daten ergeben, dass weltweit fast drei Milliarden Menschen (genau: 2,9 Mrd.) unter Kopfschmerzbeschwerden leiden. Das ist mehr als jeder dritte Mensch auf der Erde. Die jüngste Erhebung hatte das Ziel, für den großen Zeitraum von 1990 bis 2023 die tatsächlichen gesundheitlichen Einbußen zu erfassen, die der Menschheit durch die drei häufigsten Kopfschmerzarten Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entstanden sind.

Wie misst man Leid?

Das Leben mit Kopfschmerz ist für die Betroffenen mit starken Beeinträchtigungen verbunden. Die WHO bezeichnet etwa die Migräne als eine der am stärksten behindernden Erkrankungen des Menschen überhaupt. Doch wie kann man tatsächlich messen, wie groß das Leid ist, das durch eine Krankheit entsteht?

Wissenschaftler:innen haben sich bemüht, hierfür besondere Begrifflichkeiten zu entwickeln. So wurde als ein Maß für die Einschränkungen, die im Leben eines Menschen unmittelbar durch eine Erkrankung entstehen, die Bezeichnung „Jahre mit Behinderung“ geprägt. Im englischen Original heißt er „years lived with disability (YLDs)“. Die YLDs beschreiben die Gesamtzeit, in der Menschen mit Gesundheitsproblemen eine Einschränkung erfahren. Sie sind somit auch ein Richtwert dafür, wie viel ‚gute‘ Lebenszeit ohne Schmerzbelastung den Betroffenen verloren geht. Die Zahl wird immer in Beziehung gesetzt zur Zahl von Einwohner:innen. So kann man die ermittelten Werte untereinander vergleichen. Als Bezugsgröße dafür hat man 100.000 festgelegt, also eine mittelgroße Stadt.

Frauen sind von Kopfschmerzen besonders betroffen

Für die Belastung durch Kopfschmerzen liefern die neuesten verfügbaren Untersuchungen der WHO aus dem Jahr 2023 beeindruckende Zahlen. Sie zeigen, dass diese Erkrankungen pro 100.000 Menschen mehr als 540 Jahre mit Behinderung oder YLDs verursachten. Damit rangierten sie weltweit an sechster Stelle aller Ursachen für Behinderungen.

Dabei zeigt sich auch hier die für das Thema Kopfschmerzen bereits lange belegte allgemeine Ungleichverteilung zwischen den Geschlechtern. Frauen leiden, so die jüngsten Zahlen, mit ihren rund 740 Leidensjahren mehr als doppelt so ‚lang‘ wie Männer mit 364 YLDs. Dieser gewaltige Unterschied zeigt sich in allen Altersgruppen. Die Einbußen an ‚guter‘ Lebenszeit, die Frauen durch ihre Kopfschmerzerkrankungen erfahren, sind also in jedem Abschnitt ihres Lebens ungleich größer als bei gleichaltrigen Männern.

Migräne schränkt am stärksten ein

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp (kurz: Spannungskopfschmerz) ist die häufigste Kopfschmerzerkrankung. Er kommt beinahe doppelt so häufig vor wie die Migräne. Trotzdem entfallen etwa 90% der durch Kopfschmerzen verursachten YLDs auf die Migräne. Allein im Jahr 2023 verursachten Migräne-Erkrankungen schätzungsweise rund 41 Millionen YLDs weltweit, was mehr als 480 Leidensjahren pro 100.000 Einwohner entspricht.

Beim Spannungskopfschmerz kamen die Forschenden mit gut 54 YLDs pro 100.000 Personen auf weit weniger Leidensjahre. Die Folgerung des Forschungsteams ist eindeutig: Migräne tritt zwar bei erheblich weniger Personen auf, ist aber weitaus behindernder und verursacht den größten Teil der Gesamtbelastung bei den Betroffenen.

Medikamenten-Übergebrauch spielt eine große Rolle

Die dritte Kopfschmerzform, die in der umfangreichen Untersuchung betrachtet wurde, ist der Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz, kurz ‚MÜK‘ genannt. Ein MÜK ist die Folge der fehlerhaften medikamentösen Behandlung einer anderen eigenständigen Kopfschmerzerkrankung, also etwa der Migräne oder des Spannungskopfschmerzes (siehe dazu diesen Artikel).

Laut Schätzung einer Erhebung in der Medizinzeitschrift „Lancet“ sind etwa 1–2% der Gesamtbevölkerung von Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz betroffen, also weltweit zwischen 50 und 100 Millionen Erwachsene. Auch hier sind Frauen stärker betroffen als Männer, und zwar zwei- bis dreimal häufiger.

Bei Migränepatient:innen trägt der Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz zu einem Anteil an den ermittelten Lebensjahren mit Behinderung von mehr als 22% bei Frauen und etwa 14% auf Seiten der Männer bei. Für den Spannungskopfschmerz ist der ‚Beitrag‘ des MÜK sogar noch höher: Er macht bei weiblichen Betroffenen nahezu 59% aus, bei den männlichen 56%.

Viel Leid wäre vermeidbar

Die Verfasser:innen der „Global Burden of Disease Study“ kommen zu dem Ergebnis, dass ein erheblicher Teil des weltweiten Leids durch Kopfschmerzbeschwerden vermeidbar ist. Einer der Hauptautoren der Untersuchung, Andreas Kattem Husøy aus dem norwegischen Trondheim, fasst das so zusammen: Von großer Bedeutung sei es, Vorbeugung, Behandlung und Zugang zu medizinischer Versorgung für Kopfschmerzbetroffene in allen Ländern zu verbessern. „Mit einem größeren Bewusstsein und abgestimmten Maßnahmen kann ein Großteil der weltumspannenden Belastung durch Kopfschmerzerkrankungen verhindert werden“, so die Forschenden.

Gute ärztliche Betreuung und persönliche Kopfschmerz-Vorbeugung

Wie kann das gewährleistet werden? Zunächst einmal ist es wichtig, dass Betroffene möglichst frühzeitig in ihrer ‚Kopfschmerzkarriere‘ Hilfe in Anspruch nehmen und erfahrene Kopfschmerz-Expert:innen zu Rate ziehen. Darüber hinaus spielt aber auch eine maßgeschneiderte Kopfschmerz-Vorbeugung eine entscheidende Rolle. Betroffene müssen als erstes wissen, an welcher Kopfschmerzart sie genau leiden. Dann kann man herausfinden, was sie in ihrem Alltag tun können, um der Entstehung von Kopfschmerzattacken vorzubeugen. Sobald Betroffene ihren Leidendruck vermindern, indem sie die Vorbeugungsmaßnahmen in ihrem Alltag umsetzen, nimmt die Einnahme von Schmerzmedikamenten zwangsläufig ab.

Erfolgreich durch eine Richtlinie

Die bedenkliche Menge an Schmerzmedikamenten lässt sich mithilfe der sogenannten „10-20-Regel“ ablesen: Medikamente zur Akutbehandlung von Kopfschmerzen sollten immer nur an weniger als 10 Tagen pro Monat eingenommen werden. Mindestens 20 Tage sind nach Maßgabe der Richtlinie von deren Einnahme freizuhalten. Die Menge der Wirkstoffe spielt dabei keine Rolle. Es kommt allein auf die Anzahl der ‚Medikamententage‘ an.

Wird die 10-20-Regel eingehalten, beugt dies der Entstehung eines MÜK vor. Dabei ist es überaus hilfreich, wenn die Schmerzmitteleinnahme gut dokumentiert wird. So behalten die Betroffenen den Überblick beim Gebrauch. Um das sicherzustellen, leistet die Kopfschmerzwissen-App wertvolle Hilfestellung. Dabei erfasst ein Medikamentenzähler automatisch, wann man sich mit der Einnahme in einem bedenklichen Bereich bewegt. Darüber hinaus ist die App auch für die Umsetzung der Kopfschmerz-Vorbeugung im täglichen Leben ein nützliches Werkzeug. Sie hilft Betroffenen einerseits, persönliche Auslöser ihrer Kopfschmerzen auszumachen. Andererseits unterstützt sie die Betroffenen bei der entsprechenden Anpassung ihrer Lebensgewohnheiten.

Es bedarf also flächendeckender ärztlicher Betreuung und wirksamer, patientenbezogener Vorbeugungsarbeit. Wird beides nachhaltig umgesetzt, könnte die Belastung, die Menschen weltweit durch ihre Kopfschmerzerkrankungen tragen, entschieden gemindert werden.

  • Quellenangaben
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    • Dt. Ärzteblatt, Ausgabe 2.1.2026, online: https://www.aerzteblatt.de/search/result/be2fe52b-3358-4e4d-9813-8d5c028fd9bc?q=Weltbev%C3%B6lkerung
    • GBD 2023 Headache Collaborators. Global, regional, and national burden of headache disorders, 1990-2023: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2023. Lancet Neurol. 2025 Dec;24(12):1005-1015. doi: 10.1016/S1474-4422(25)00402-8. PMID: 41240916; PMCID: PMC12612381.
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